Ein Fachwörterbuch der Druckgrafik, André Béguin. DE

Anastatic printing; anastatisches Druckverfahren


Reproduktionsverfahren, bei dem ein bereits mit Druckfarbe gedruckter Text kopiert wird. Die Rückseite (Verso) des Originals wird mit einer Lösung aus Wasser und Gummi benetzt, der einige Tropfen Schwefelsäure zugesetzt wurden. Anschließend wird die Vorderseite (Recta) mit Druckfarbe eingefärbt. Die verwendete Druckfarbe haftet dabei nur an den Stellen, an denen das Original mit Druckfarbe eingefärbt war. Dieses Verfahren wird vor allem als Übertragungsverfahren* auf Stein, Holz oder Metall verwendet. Das Original geht dabei jedoch verloren.

Senefelder nutzte dieses Verfahren in einer Vielzahl von Versuchen, um seine erste lithografische Technik (eine Art Reliefgravur auf Stein) zu perfektionieren. Diese Versuche dienten dazu, Schriftzeichen, die er zuvor rückwärts auf einen Lithografiestein geschrieben hatte, seitenverkehrt zu übertragen. Um 1776 entdeckte er nach „Tausenden von Versuchen“ schließlich die grundlegenden Techniken der chemischen Lithografie, deren Originalität darin bestand, die bekannte Abstoßung zu nutzen, die Fett auf Wasser ausübt. Dank der Forschungen zu anastatischen Übertragungen, Tinten auf Ölbasis und verschiedenen anderen Lösungen wurde somit die Lithografie erfunden. „Ich verdanke diese Versuche meiner Entdeckung der chemischen Lithografie, denn das Abdrucken von Papier auf einen Stein hing vor allem von der mehr oder weniger starken Anziehungskraft einer Substanz auf eine andere ab.“
Im weiteren Sinne werden auch fotografische Faksimiles* (Nachdrucke alter oder vergriffener Bücher) als anastatische Nachdrucke bezeichnet.